
Nicht ohne Grund trägt Pforzheim seit dem 18. Jahrhundert den Beinamen „Goldstadt“:
Rund 75 Prozent aller in Deutschland hergestellten Schmuck- und Uhrenerzeugnisse wurden über Generationen hinweg in der badischen Großstadt zwischen Schwarzwald und Rheinebene gefertigt.
Ob Schmuckmuseum mit einer der bedeutendsten Schmucksammlungen der Welt oder Firmensitz von Wellendorff, einer der wenigen deutschen Schmuckmanufakturen, die noch vollständig in Familienhand geblieben sind – in Pforzheim ist wirklich alles Gold, was glänzt.
Die Manufaktur Wellendorff
Wellendorff wurde 1893 von Ernst Alexander Wellendorff gegründet, der zuvor an der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule in Pforzheim studiert hatte. Bis zum heutigen Tag führt die Familie das Unternehmen fort, und das bereits in fünfter Generation. Alle Stücke werden in Pforzheim von Hand und unter Verwendung recycelten Goldes aus lokalen Scheideanstalten gefertigt.
Das Gold selbst ist dabei eine Eigenentwicklung: Wellendorff verwendet eine sogenannte Überlegierung mit 752 Teilen Feingold je 1.000 gegenüber dem Branchenstandard von 750. Eine kleine Abweichung mit spürbarer Wirkung auf Farbe und Beständigkeit des Metalls.
Der drehbare Ring
Seit 1993 ist der drehbare Wellendorff-Ring das bekannteste Stück der Manufaktur.
Ein äußeres Goldband umschließt einen frei drehbaren Innenring, der mit Kaltschmelzemaille in verschiedenen Farben und mit handgefassten Brillanten verziert ist.
In der Herstellung wird das Emaille Schicht für Schicht unter dem Mikroskop aufgetragen. Die Diamanten setzt man nach einer hauseigenen Technik namens Sonnenglanzfassung, sodass die Steine das Licht aus mehreren Winkeln reflektieren. Präzisionsarbeit im Hundertstelmillimeterbereich.
Limitierung mit System
Seit 1997 bringt Wellendorff jährlich einen nummerierten Jahresring heraus, dessen Auflage der jeweiligen Jahreszahl entspricht. Der erste entstand anlässlich der Rückgabe Hongkongs an China in Signalrot mit goldenen Bauhinia-Blüten. Die Themen der Folgejahre reichen von politischen Ereignissen bis hin zu abstrakteren Motiven wie Liebe, Stärke oder Dankbarkeit.
Der aktuelle Jahresring 2026 trägt den Titel Aus Liebe und ist auf 226 Exemplare limitiert. Er zeigt ein Wabenmuster in acht Kaltemaillefarben zwischen Petrol und Violett, ein aus sechs Brillanten gefertigtes Herzdetail und die für Wellendorff typischen Kordelränder, die mit einem eigens entwickelten Diamantwerkzeug in das massive Gold gearbeitet werden.
Exklusivität statt Masse
Wellendorff ist kein Massenanbieter und betreibt keine Flagship-Stores in Flughafenshops. Möchte man eines dieser exklusiven Stücke erwerben, ist man auf autorisierte Fachjuweliere angewiesen. Für Reisende, die Pforzheim oder die Region besuchen, bietet das Schmuckmuseum der Stadt einen guten Einstieg in die Geschichte der deutschen Goldschmiedekunst. Und wer sich für ein konkretes Stück wie einen Wellendorff-Ring interessiert, findet bei autorisierten Händlern auch außerhalb Pforzheims kompetente Beratung.












