Deutschland koordiniert Evakuierungen im Golf, während das World Tourism Network Unterstützung für gestrandete ITB Berlin-Teilnehmer fordert

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Deutschland stimmt sich mit Riad und Maskat ab, um gestrandete Staatsbürger aus dem Golf zu evakuieren, da Luftverkehrsschließungen den Reiseverkehr stören. Das in Berlin ansässige World Tourism Network (WTN) fordert die Bundesregierung auf, ihre Unterstützung auch auf internationale Aussteller und Besucher der ITB Berlin auszuweiten und damit Solidarität innerhalb der global vernetzten Reisebranche zu zeigen.

Zehntausende Branchenvertreter, Aussteller und Einkäufer versuchen derzeit, zur oder von der ITB Berlin, der weltweit größten Fachmesse für Reisen und Tourismus, zu reisen, die in dieser Woche in Berlin stattfindet. Viele Teilnehmer aus dem Nahen Osten und Asien sitzen weiterhin an Knotenpunkten wie Dubai, Doha und Bahrain fest, nachdem Flugstrecken aufgrund des eskalierenden regionalen Konflikts und der Sperrung des Luftraums abgesagt wurden.

Deutsches Außenministerium steht mit Riad und Maskat in Kontakt

Laut Regierungskreisen steht das deutsche Auswärtige Amt im aktiven Austausch mit Behörden in Saudi-Arabien und Oman, wo Flughäfen offen sind. Deutschland untersucht Evakuierungskorridore und logistische Optionen. Zu den erörterten Maßnahmen gehören:

  • Koordination mit saudischen Behörden, um die Evakuierung deutscher Staatsbürger über Saudi-Arabien, wo der Luftraum weiterhin offen ist, zu erleichtern,
  • Prüfung, ob gestrandete Personen in den VAE oder in Katar per Landtransport oder Kurzstreckenflügen nach Saudi-Arabien gebracht werden könnten,
  • Bewertung von Abflügen mit Charter- oder kommerziellen Flugzeugen von saudi-arabischen Flughäfen, falls die Hub-Drehkreuze im Golf weiterhin eingeschränkt bleiben.

„Tourismus ist global – die Antwort sollte es auch sein“

In einer Stellungnahme betonte das World Tourism Network, dass die Störung nicht nur deutsche Urlauber betreffe, sondern auch „die internationalen Partner, die die ITB Berlin erst möglich machen“.

WTN argumentiert, dass zahlreiche Aussteller, Tourismusminister und Delegationen ihre Teilnahme nur wegen abrupten Flugausfällen gefährdet sehen. Das Netzwerk fordert Berlin daher auf, sicherzustellen, dass alle evakuierten Personen, einschließlich nicht-deutscher Branchenvertreter, berücksichtigt werden, insbesondere wenn auf ausgehenden Flügen aus Saudi-Arabien oder anderen offenen Hub-Städten Kapazitäten verfügbar seien.

Aktuelle deutsche Rückholbemühungen

Die deutsche Regierung hat angekündigt, zivile Rückholflüge für deutsche Staatsangehörige zu organisieren, die von der Krise im Luftverkehr betroffen sind, in Zusammenarbeit mit kommerziellen Fluggesellschaften wie Lufthansa und weiteren Partnern. Priorität soll dabei besonders gefährdeten Personen eingeräumt werden – darunter Familien mit Kindern, ältere Menschen und Personen mit medizinischem Bedarf. Der Einsatz militärischer Flugzeuge wurde bislang aus Sicherheitsgründen und wegen der Instabilität des Luftraums ausgeschlossen.

Warum die ITB Berlin besonders betroffen ist

Die ITB Berlin zieht jährlich mehr als 100 000 Teilnehmer aus über 180 Ländern an, und Delegationen aus dem Golfraum, Asien, Afrika und Europa sind zentral für den internationalen Charakter der Messe. Angesichts der nahenden Ausstellungstage berichten einige nationale Tourismusorganisationen von reduzierten Delegationsgrößen, fehlender Fracht und Personalverzögerungen. Panel-Sprecher, Minister und Einkäufer könnten den Veranstaltungsort der Messe nicht rechtzeitig erreichen, was das globale Profil der Veranstaltung und die empfindliche Erholung der Branche seit der Pandemie gefährden könnte.

Eine breitere diplomatische Geste?

WTN betrachtet seine Forderung nicht nur als rein logistische, sondern auch als symbolische Maßnahme: Deutschland sei Gastgeber der wichtigsten Fachmesse der Reiseindustrie. Eine Unterstützung, die über die Staatsbürgerschaft hinausgeht, würde ein starkes Zeichen der Solidarität für die globale Tourismusgemeinschaft senden. Rechtsexperten weisen jedoch darauf hin, dass Regierungen in Krisenzeiten in der Regel vorrangig für ihre eigenen Staatsangehörigen zuständig sind, auch wenn internationale Abkommen in der Vergangenheit bei ausreichender Kapazität eine Evakuierung von Ausländern ermöglicht haben.